Was ist mit Kernenergie?

Letzte Änderung dieser Seite: 30.06.2026

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Was ist eigentlich mit Atomkraftwerken für Kernspaltung oder Kernfusion? Könnten die nicht einen Beitrag zur künftigen Energieversorgung des Planeten Erde leisten? Würden die nicht sogar beim Kampf gegen das verteufelte CO2 helfen? Intelligente und ideologiefreie Erdbewohner werden sich diese Fragen vermutlich stellen. Vor allem, wenn man möchte, dass die Menschheit noch eine Milliarde Jahre in Wohlstand auf der Erde weiterleben kann. Nachfolgend nun meine Informationen, die ich zum genannten Thema zusammengetragen habe.

Der Molten Salt Fast Reaktor MSFR >>> Gehe zu

Der Dual Fluid Reaktor DFR >>> Gehe zu

Konventionelle (thermische) Atomkraftwerke

Ich beginne mit ein paar Aussagen zum Thema Atomkraft aus dem Buch Kernenergie von Ruprecht/Lüdecke aus dem Jahr 2018 (ISBN 978-3-940431-65-3), von denen einige ca. mehrere Jahre veraltet sind.

Alles in allem ist diese Zusammenfassung nicht gerade ein Votum für die konventionellen, thermischen Reaktoren mit Brennstäben. Es liest sich eher wie eine totale Ablehnung. Das Schlechteste aus allen Welten. Die Reichweite des Urans bei der miserablen Ausnutzung durch thermische Reaktoren beträgt geschätzte 100 Jahre. Da reichen sogar Erdöl, Erdgas und Kohle noch länger. Solche Reaktoren braucht niemand, wenn die Menschheit noch eine Milliarde Jahre mit preiswerter Energie versorgt werden will.

Natürlich ist es eine andere Frage, warum man fertig gebaute und betriebsfähige AKWs außer Betrieb setzt und die Kühltürme abreißt. Wem nützt das?

Schnelle Brüter

Ich beginne wieder mit einigen Aussagen, dieses Mal zu Schnellen Brütern, aus dem Buch von Ruprecht/Lüdecke aus dem Jahr 2018. Hier eine Übersicht über die in der nachfolgenden Zusammenfassung referenzierten Reaktorkonzepte:

Hier die Zusammenfassung der Ruprecht/Lüdecke Aussagen:

Reaktortypen der Generation 4: Das klingt supermodern, ist aber ein steinalter Hut. Ich habe gerade mal die Jahreszahlen mit Experimenten zum Thema Gen-IV Reaktoren aus der Ruprecht/Lüdecke Zusammenfassung herausgesucht. Es sind: 1951 SFR, 1954 MSR, 1964 SFR, 1971 Kugelhaufenreaktor THTR in Deutschland und 1972 LFR. Mittlerweile wurden in der EU und USA alle Versuche eingestellt und alle Testanlagen geschlossen. Das muss aber für die Zukunft nichts bedeuten.

Der Molten Salt Fast Reaktor MSFR:

Der MSFR verwendet geschmolzenes Salz als Kühlmittel und Thorium als Brennstoff. Er ist die Weiterentwicklung des thermischen MSR als Schneller Brüter. Aus Sicht der Autoren sowie aus Sicht der chinesischen Politik und Wissenschaft ist es das erfolgversprechendste Konzept innerhalb der Gen-4 Konzepte. Auch, weil es sehr viel Thorium in der Erdkruste gibt.

Thorium hat eine ungefähr 3,5 millionenfache Energiedichte wie Kohle, also ca. 31,5 Millionen KWh pro kg. Bei geschätzten Thorium-Vorkommen in Höhe von 6,4 Millionen Tonnen könnte man daraus im Optimalfall (mit 100% Wirkungsgrad) 200 Exawattstunden (31,4 E9 Wattstunden pro kg mal 6,4 E9 kg = 200 E18 Wh) Energie erzeugen. Der weltweite Verbrauch an Endenergie betrug 135 801 TWh im Jahr 2023. Dividiert man nun die 200 Exawattstunden durch 135 801 Terawattstunden, dann erhält man 1473 Jahre (200 000 E15 / 135 801 E12 = 1,473 E3).

Die Thorium-Vorräte des Planeten Erde reichen also gerade mal für 1400 Jahre Endenergie. Das beeindruckt mich nicht gerade. Es gibt bei den verwendeten Zahlen viele Unwägbarkeiten (zum Beispiel: a. wohin wird der Energieverbrauch der Ländern, die momentan noch ganz wenig verbrauchen, steigen? und b. wie genau ist denn die Schätzung der Thorium Resourcen?). Daher ist die berechnete Reichweite sicher sehr ungenau. Aber eins kann man schon jetzt mit Sicherheit sagen: Für eine Milliarde Jahre (grob geschätzte "Restlaufzeit" der Menschheit) werden sie ganz sicher nicht reichen. Aber wahrscheinlich schon etwas länger als die fossilen Energieträger.

Hier noch einige Links zum Thema MSFR und Thorium:

Neuer chinesischer Atomreaktor: Keine Kernschmelze möglich (23.07.2024)

Experimenteller Thorium-Flüssigsalz-Reaktor in China kurz vor Start (29.01.2024)

Atomkraft: Schweizer und Dänen forschen an Thorium-Flüssigsalz-Reaktor (15.07.2024)

Warum wird dieser Wunder-Reaktor nicht schon längst in Serie gebaut? (02.09.2020)

CONCEPT OF EUROPEAN MOLTEN SALT FAST REACTOR (MSFR) (23.05.2017)

Der Dual Fluid Reaktor DFR:

Der Dual Fluid Reaktor hat aus momentaner Sicht als einziger Kernspaltungsreaktor das Potential, den Wohlstand der Menschheit für eine Milliarde Jahre zu retten. Erstens, weil das Konzept viele Vorteile hat und zweitens, weil er Uran als Brennstoff verwendet. Auf der Erde gibt es nämlich sehr viel mehr Uran im Meer als Thorium und Uran in der Erdkruste. Das diesem Kapitel nachfolgende Kapitel verlinkt einige Webseiten, welche die Uranreichweite abschätzen.

Der DFR ist eine überwiegend deutsche Erfindung (die Mehrzahl der Erfinder). Das Dual-Fluid-Konzept wurde am Institut für Festkörper-Kernphysik IFK in Berlin entwickelt und 2012 als Patent angemeldet. Im Februar 2021 gründeten einige der Mitwirkenden das kanadische Unternehmen Dual Fluid Energy Inc., um die Technologie zur kommerziellen Reife zu führen. Scheinbar waren ihnen die "Randbedingungen" in Deutschland nicht erfolgversprechend genug.

Dual Fluid Reaktoren nutzen statt Brennstäben (konventionelle, thermische Reaktoren) zwei zirkulierende Flüssigkeiten: Eine trägt den Brennstoff, die andere führt die Wärme ab. So kann der Kernbrennstoff bei hohen Temperaturen wesentlich effektiver genutzt werden.

Hier kurz die Vorteile der DFRs, die man als Generation 5 Reaktoren bezeichnen kann bzw. im Vergleich mit den Gen.-4 Krücken sogar muss:

Hier eine Grafik aus der Präsentation der gleichnamigen Firma mit dem Namen Dual Fluid zur Verdeutlichung der inhärenten Sicherheit. Bei überhöhter Temperatur (z.B. nach dem Ausfall der Kühlung) schmilzt der Schmelzstopfen und der flüssige Brennstoff fließt in den Ablasstank.

Zum Schluss noch einige einschlägige Links zu den DFRs:

Dual-Fluid-Reaktor Wikipedia (02.04.2024)

Was macht der Dual-Fluid-Reaktor? (13.01.2023)

Ist Dual Fluid die Lösung? (09.08.2022)

EIKE Klimaschau #119: Dual-Fluid-Reaktor: Angetreten, um den globalen Energiemarkt zu revolutionieren [Video](17.07.2022)

Dual-Fluid Präsentation der Erfinder (01.01.2022)

Dual Fluid Reaktor – wandert die nächste Erfindung aus? (28.01.2021)

Dual-Fluid-Reaktor – ein enormes Echo (16.06.2020)

Dual Fluid Reaktor (22.08.2017)

Der Dual Fluid Reaktor DFR ist per Gerichtsbeschluss für die GreenTec Awards nominiert ! (01.08.2013)

Dual Fluid: Alles zu Nachhaltigkeit, Sicherheit und Technik (01.01.2000)

Die Reichweite von Thorium und Uran

Zur Reichweite von Thorium ist nicht viel zu sagen. Ich habe nur in Wikipedia eine Abschätzung gefunden (6,4 Millionen Tonnen). Daher kann man Thorium als Brennstoff für Kernspaltung nur als Übergangslösung einstufen. Aber bei mehr als 1000 Jahren bis zum Aufbrauchen des Thoriums sollte man durchaus ein bestimmtes Budget für die Entwicklung von Thorium Reaktoren vorsehen.

Uran ist der viel interessantere Brennstoff. Weil es sehr viel davon im Meerwasser gibt. Hier zunächst zwei Links:

Erneuerbare Kernkraft: Wie lange reichen die Uranvorkommen weltweit? (01.01.2021)

Nuclear fuel will last us for 4 billion years (28.10.2020)

Abschätzungen aus dem oberen Link (Florian Blümm):

Die interessanteste Grafik aus dem unteren Link:

Mir gefällt diese Grafik besonders gut, weil sie so optimistisch ist. Da meine persönlichen "Planungen" nur eine Milliarde Jahre in die Zukunft reichen, dürfte die Abschätzung des Autors Nick Touran um den Faktor 4,3 zu hoch sein und es würde immer noch für eine Milliarde Jahre menschlichen Wohlstands reichen. Wir werden es nie erfahren.

Zum Abschluss noch einige Links zum Thema Uran aus dem Meerwasser:

Uran aus Meerwasser: Chinas Durchbruch für saubere und nachhaltige Energie (21.12.2023)

China holt Uran für Atomkraftwerke aus dem Meerwasser (14.12.2023)

Uran aus dem Meer (21.11.2023)

Australien: neues Material für Urangewinnung aus Meerwasser entwickelt (18.10.2023)

China testet Urangewinnung aus Meerwasser (30.05.2023)

Uran aus dem Meerwasser (15.06.2018)

Uran aus dem Meer? (25.04.2016)

Die Zukunft der Kernfusion

Kernfusion ist die Verschmelzung von Atomkernen zu einem anderen Kern. In der Sonne sind es Wasserstoffkerne, die zu Helium verschmelzen. Die Kernfusion ist logischerweise die interessanteste Technologie auf dem Energieerzeugungssektor. Sie würde alle Endenergie-Bedarfsmengen- und Entsorgungsprobleme auf einen Schlag lösen. Der Weg in eine goldene Zukunft. Leider sind gibt es dabei geradezu gigantisches Problem. Im Inneren der Sonne herrschen Temperaturen von rund 15 Millionen Grad und Drücke von bis zu 300 Milliarden Atmosphären. Unter diesen Bedingungen verschmelzen dann die leichteren Wasserstoffkerne zu einem schwereren Heliumkern, dessen Masse geringer ist als die Summe der Ausgangskerne. Die Differenz in der Masse wird in Energie entsprechend der Einstein'schen Formel E=mc² umgewandelt.

Nun zu dem Problem. 300 Milliarden Atmosphären Druck kann man als Wissenschaftler auf der Erde vermutlich nicht erzeugen und 15 Millionen Grad Celsius werden auch schwierig. Man kann auf den unerreichbar hohen Druck verzichten, wenn man stattdessen eine Temperatur von 150 Millionen Grad Celsius erzeugt. Das ist die Hürde, die man überspringen muss. In den Versuchsanlagen wird mit den Wasserstoff-Isotopen Deuterium und Tritium anstatt mit Wasserstoff gearbeitet.

Es gibt derzeit drei konkurrierende Konzepte und viele Versuchsanlagen. Die Konzepte heißen:

Zum Schluss noch eine kleine, chronologisch sortierte Linksammlung zum Thema Kernfusion:

Kernfusion: Utopie oder Garant globaler Energie-Versorgung? (29.02.2024)

EIKE Klimaschau #163: Die Kernfusion hat gezündet

EIKE Klimaschau #129: Neue Rekorde auf dem Weg zur Kernfusion

EIKE Klimaschau #72: Dreifacher Durchbruch bei der Kernfusion

EIKE Klimaschau #47: Kernfusion aus Kalifornien, Modelle schaffen die Pause nicht, neuer Verein QUASE

EIKE Klimaschau #30: Wie ein Klimaforscher die Sonne klein redet, Hoffen auf die Kernfusion

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